Facebook, Instagram und Whatsapp: Hervorragendes Design Thinking

Facebook, Instagram und WhatsApp betreiben hervorragendes Design Thinking. Sie sind in der Lage, die Bedürfnisse ihrer Nutzer zu verstehen und ihnen dementsprechend treffende Services anzubieten. Eines der User-Bedürfnisse, die die Plattformen bedienen, ist das Bedürfnis nach sozialer Anerkennung, um das es in diesem Post gehen soll.

Gender-Unterschiede im Bedürfnis nach Sozialer Anerkennung? – öffentliche Wahrnehmung und Selbst-Absorption

Mir ist aufgefallen: vorrangig Frauen (ich auch!) und Mädchen nutzen die Status-Funktion bei WhatsApp. Das wollte ich genauer wissen und hab mir die drei Social Media-Plattformen Facebook, Instagram und WhatsApp mal näher angeschaut.
Nicht repräsentative Beobachtung:
Status bei WhatsApp
12.01.2018, 7 Frauen, 2 Männer
16.01.2018, 6 Frauen, 0 Männer

Story bei Instagram
12.01.2018, 9 Frauen, 5 Männer und einige gewerbliche Seiten
16.01.2018, 9 Frauen, 4 Männer.

Story bei Facebook
12.01.2018, 1 Frau, 0 Männer, 1 gewerbliche Seite
16.01.2018, 0 Frauen, 2 Männer, 2 gewerbliche Seiten.

Das Pendel schlägt Richtung Frauen: 32 Frauen vs. 13 Männer, die das Story- bzw. Status-Feature verwenden. Aber warum? Brauchen Frauen mehr Aufmerksamkeit durch andere?

Wissenschaftliche Ergebnisse dazu

Gehen wir das mal wissenschaftlich an: Literatur-Recherche in psychologischen Datenbanken, Suchbegriffe: „attention seeking“ AND „gender“. Trefferanzahl: 76
Bereits der allererste Treffer stellt die Verbindung zum Narzissmus her – Titel: Narcissism, gender, and evolutionary theory: The role of private and public self-absorption von Barnett & Sharp, 2016. Den Artikel findet ihr mithilfe der DOI hier.
Die beiden Autoren nutzen die Konstrukte

  • „private self-absorption“ – das exzessive Nachdenken über einen selbst und
  • „public self-absorption“ – das exzessive Nachdenken darüber, was andere über einen denken.

Um zu erfahren, ob es zwischen Männern und Frauen einen Unterschied in diesen beiden Konstrukten gibt, haben sie 810 US-College-Studentinnen und Studenten befragt und kommen zu dem Schluss:

  • Frauen haben höhere Levels in „PUBLIC self-absorption“ als Männer.
  • Männer haben höhere Levels in „PRIVATE self-absorption“ als Frauen.

Interessant, oder? Und was leider noch interessanter ist: beide, also private und public self-absorption stehen in Verbindung mit pathologischem Narzissmus.
Ich nehme mich dabei nicht raus, im Gegenteil: ich finde mich hier ganz klar wieder. Gerne poste ich Bilder, auf denen ich wirke, als wäre mein Leben ein einziges Glück, auf denen ich positive Ausstrahlung habe, mein Aussehen mir selbst gut gefällt, die mich darstellen, wie ich mich selbst gerne sehe. Aber natürlich ist mein Leben nicht ein einziges Glück, natürlich sehe ich mindestens 5 mal öfter auf Bildern total mies aus als das eine Bild, das gerade gut gelungen ist. Diese Bilder poste ich nicht. Warum nicht? Na wegen public self-absorption – dem Nachdenken darüber, was andere über mich denken könnten.
In meiner eigenen kleinen Umfrage bei Instagram geben 100 % der Befragten an (N=15), dass Sie die Darstellung anderer oder ihre eigene manchmal für fragwürdig halten. Mal im Klartext: ALLE halten die eigene oder die Darstellung anderer für fragwürdig.

Ich hinterfrage mich Jetzt Öfter, ob dieses oder Jenes ins Netz gehört oder nicht

In der Ökonomie der Aufmerksamkeit schrieb Georg Franck, dass Aufmerksamkeit ein geldwertes Mittel sei. Anders, als man der Sprache nach vielleicht glauben könnte, wird Aufmerksamkeit nicht wirklich geschenkt. Aufmerksamkeit ist an Wertschöpfung gebunden – wer Aufmerksamkeit haben will, muss etwas hergeben, das Aufmerksamkeit verdient. Und so landen viele Bilder in den Social Media – Bilder, von denen manch Eine_r denken möge: Warum um Himmels Willen gibst du so viel Privates preis?

Georg Franck: Ökonomie der Aufmerksamkeit. Ein Entwurf. Dtv, München 2007, ISBN 978-3-423-34401-2 (EA München 1998).

Ich versuche, mich mit privaten Bildern zurückzuhalten.
Das war aber auch schon anders, sehr anders. Es gibt mir ein gutes Gefühl, wenn Menschen „gefällt mir“ unter meine Bilder klicken. Aber mit dem Alter kommt die Reife. Und dann ist mir immer öfter aufgefallen, wie privat dieses oder jenes Bild eigentlich ist. Oft hat aber auch mein Umfeld mich darauf hingewiesen. Und trotzdem gibt es Inhalte, die ich wertvoll finde und sie teilen möchte, und natürlich mag ich auch gern Dinge zeigen, auf die ich stolz bin, die mich froh machen, oder die ich gut kann, oder die einfach zeigen, wer ich bin. Darum versuche ich, einen Mittelweg zu finden, wie im Bild unten.

Gib jedem Tag die Chance, der kreativste in deinem Leben zu sein.

Fazit

WhatsApp, Instagram und Facebook verfolgen ganz klar das Ziel, die Zeit, die User auf ihren Plattformen verbringen, zu maximieren. Das tun sie, indem sie unter anderem dazu motivieren, private Bilder und Videos zu posten.
Aber Vorsicht: Die Betrachter dieser Bilder und Videos halten die Selbstdarstellung für fragwürdig.
Andererseits wären alle drei Kanäle ohne die privaten Inhalte für mich wertlos. Ihr seht, es ist ein zweischneidiges Schwert. Letztendlich muss also jede_r für sich entscheiden, wie viel Privates sie/er von sich preisgeben möchte.

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